Die Laubblätter von Oxalis acetosella L. haben die Eigenschaft sich unter verschiedenen äußeren
Abb. 7 Turgorbewegungen von Oxalis acetosella Blattspreiten Einflüssen zu heben oder zu senken. Für diese Bewegung verantwortlich ist ein jeweils an der Basis eines Teilblättchen befindliches Gelenk mit Zelldruckmechanismus. Hervorgerufen durch einen Antagonismus der oberen und unteren Gelenkhälften kommt es bei Turgorveränderungen so zur Auf- oder Abwärtsbewegung der Blätter. Gibt man z. B. den Blättern einen leichten Schlag kommt es ähnlich wie bei Mimosa pudica L. zu einem Herabsenken der Blätter.
In der Abbildung 7 wird dies anhand einer kleinen Animation verdeutlicht. Bewegen Sie dazu bitte die Maus über das Bild. In der Natur erfolgt die Reaktion der Blattspreiten allerdings nicht so rasch und dauert in günstigen Fällen 1 - 3 Minuten. Nach ca. 15 - 60 Min. kehren sie dann wieder in ihre Ausgangsstellung zurück (SCHULZ 1960).
Die Empfindlichkeit dieser Schattenpflanze zeigt sich besonders bei der Einwirkung von Licht. (Abb. 8) Bei starker Dunkelheit, sowie bei Überbelichtung bewegen sich die normal horizontal ausgebreiteten Blättchen in eine sogenannte Schlafstellung.
Abb. 8 Schlafstellung von Oxalis acetosella-Blattspreiten durch partielle Sonneneinstrahlung (links oben) Der Vorgang dient der Transpirationsminderung, da sich dabei die spaltöffnungstragenden Blattunterseiten aneinanderlegen (DÜLL 1992). An einem normalen Sommertag kann schon eine vorüberziehende Wolke oder ein herannahendes Gewitter eine merkliche Senkung der Blättchen hervorrufen (SCHULZ 1960). Eine weitere physiologische Besonderheit sind bei Oxalis acetosella L. vor allem in den Morgenstunden stattfindenden autonomen Bewegungen. Im Laufe von 45 bis 120 Minuten führen die Blätter eine pendelartige Schwingung von 20° - 70° aus (SCHULZ 1960).
Zusammengefasst sind bei Oxalis acetosella L mehrere Typen von Nastien zu beobachten. Die Seismonastie, die Photonastie, die Nyktinastie sowie auch die Thermonastie. Für die Steuerung all dieser Bewegungen sind nach neuesten Untersuchungen Turgorine verantwortlich (DÜLL 1992).