Versuche zur Inkulturnahme von Oxalis acetosella L.

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2.7 Wertgebender Inhaltsstoff und therapeutische Wirkung

2.7.1 Oxalsäure

Die Oxalsäure gehört zur Gruppe der Dicarbonsäuren, da sie über zwei Carboxylgruppen verfügt. Sie ist mit ihren Verbindungen eine der verbreitesten Pflanzensäuren überhaupt und liegt in Oxalis acetosella L. vor allem als Oxalsäure-di-Kaliumsalz vor. Das Kaliumoxalat ist seiner Löslichkeit entsprechend im Pflanzensaft gelöst und findet sich überall in den Zwischenräumen der Zellen.

Strukturformel: Oxalsäure Strukturformel Summenformel: C2H2O4
Molekülmasse: 90,04
Schmelzpunkt: 101,5°C
Dichte: 1,653 g/cm3
(nach RÖMPP 1991)


Das unlösliche Calciumoxalat hingegen, tritt in Form isolierter Kristalle von kubischer oder prismatischer Gestalt in fast allen Teilen der Pflanze auf (SCHULZ 1960). In Form von Natriumoxalat ist die Säure noch in einigen Salicornia-Arten, in einigen Gräsern als Magnesiumoxalat und als Amoniumoxalat im Guano zu finden (RÖMPP 1991).

Tab.2 wichtige Salze der Oxalsäure
Stoffnahme Summenformel Molekulargewicht Löslichkeit in H2O bei 20°C
Oxalsäure-di-Ammoniumsalz C2H8N2O4 · H2O 142,11 45g/l
Oxalsäure Calciumsalz C2CaO4 · H2O 146,12 nicht löslich
Oxalsäure-di-Kaliumsalz C2K2O4 · H2O 184,24 360g/l
Oxalsäure-di-Natriumsalz C2O4Na2 134,00 37g/l
Kaliumtetraoxalat-Dihydrat C4H3KO8 · 2H2O 254,18 17g/l
(vgl. WEDLER 1994)

Der Gesamtgehalt der Säure in der frischen Pflanze von Oxalis acetosella L. wird bei (BRENDLER et al. 1999) mit 0,3-1,25 % angegeben. Ähnlich oxalsäurereich sind im wesentlichen die Blätter und Blattstiele einiger Chenopodiaceen (Spinat, Mangold, Beta-Rübe) und Polygonaceen (Sauerampfer, Rhabarber) (HERRMANN 1972). Tabelle 3 gibt dazu eine Übersicht. WILLFORT (1959) beschreibt beim Sauerklee eine starke Abnahme des Oxalsäuregehaltes in der Nacht sowie den Wiederanstieg mit beginnender Morgendämmerung.

Tab.3 Oxalsäuregehalte in der Frischmasse verschiedener Pflanzen
Pflanze Oxalsäuregesamtgehalte [%] Quellen
Schwankungsbreite Mittelwert
Rhabarber Stiele 0,40 - 0,56 0,48 (1), (2)
Mangold 0,11 - 0,94 0,53 (5), (6)
Portulak 0,22 - 1,00 0,61 (3)
Spinat 0,12 - 1,33 0,73 (1), (7)
Sauerklee 0,30 - 1,25 0,78 (4), (7)
Sauerampfer 0,84 - 2,26 1,55 (1), (7)
Quellen: (1) WIDMARK et al. 1933, (2) HERRMANN 1972, (3) TABEKHIA 1980, (4) BRENDLER et al. 1999, (5) SCHARRER et al. 1951, (6) WEDLER 1985, (7) WEDLER 1994

Oxalsäure und ihre löslichen Salze sind giftig. Als letale Dosis für den Menschen wird von (WEDLER 1994) 5-15 g reine Oxalsäure oder Oxalate angegeben. Das entspräche bei einem durchschnittlichen Säuregehalt von 0,8 % in der Pflanze 625 bis 1875 g Frischmasse Sauerklee. Berichte über Todesfälle gibt es in der Literatur aber nur im Zusammenhang mit dem übermäßigen Verzehr von Rhabarberblättern (Kallicate et al. 1964, Tallqvist et al. 1960 zit. nach Franceschi et al. 1980).
Die Säure in hohen Dosen und ihre löslichen Salze wirken ätzend, was auf Haut und Schleimhaut, insbesondere im Margen-Darm-Trakt erhebliche Reizerscheinungen hervorruft. Das Oxalion bindet Calcium. Nach der Resorption von großen Mengen kommt es zu einer Verarmung der Gewebes an diesem lebenswichtigen Mineralstoff. In schweren Fällen kann so Calciummangel eine Schädigung des Herzens zur Folge haben (WEDLER 1994).
Das gebundene Calcium fällt als unlösliches Calciumoxalat aus und kann sich als Kristall in Harnkanälchen und Nieren ablagern. Mehr als 50% der Nierensteinleiden sind auf Calciumoxalatsteine zurückzuführen (WEDLER 1994). Personen, die hierfür disponiert sind, sollten aus diesem Grund Nahrungs- und Genußmittel mit hohem Oxalsäuregehalt, wie z.B. Spinat, Mangold, Rhabarber und auch Kakaoerzeugnisse, meiden. Das gilt auch für schwangere und stillende Frauen sowie für Kleinkinder (INFODIENST LANDWIRTSCHAFT BADEN WÜRTTEMBERG 2000).



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Text © Mario Schubert · Leipzig 2004 · letzte Aktualisierung 21.03.2005 · Impressum · Sitemap