In der vorliegenden Arbeit wurden Versuche zur Inkulturnahme von Oxalis acetosella L. dargestellt. Sie beruht auf einem Felddüngungungsversuch in dem die Faktoren Licht, pH-Wert und Nmin -Gehalt im Boden bezüglich ihre wachstumslimitierende Wirkung untersucht und statistisch ausgewertet wurden. Ein im Garten der Firma WELEDA AG befindlicher Schattentunnel galt als potentieller Kulturstandort und sollte im Hinblick auf seine Lichtbedingungen mit dem Versuchs- sowie einem Waldstandort verglichen werden. Weiterführend wurden erste Inhaltsstoffanalysen durchgeführt sowie der Gehalt an löslicher Oxalsäure ermittelt und mit Pflanzen aus einem natürlich Waldstandort und einer Kontrollvariante verglichen.
Untersuchungen zu Oxalis acetosella L. als Kulturpflanze waren dem Autor keine weiteren bekannt. Es handelte sich hier also um Pilotexperimente. Die in dieser Zusammenfassung dargestellten Ergebnisse dürfen daher nicht überbewertet werden, können aber zur Hypothesenbildung und zur Konzeption weiterer Versuche beitragen.
Für Oxalis acetosella L. hat als wachstumslimitierender Faktor der pH-Wert im Boden des Versuchstandortes nur eine indirekte und für eine Inkulturnahme untergeordnete Bedeutung. Eine erzielte Senkung des pH-Wertes von 5,9 auf 4,0 mit der Ausbringung 2,5 t S/ha, sowie die Verwendung von Waldboden mit pH 3,5 ergaben keine signifikante Auswirkungen auf das vegetative Pflanzenwachstum von Oxalis acetosella L. am Versuchsstandort.
Die Versuchsergebnisse haben gezeigt das Oxalis acetosella L. bei den am Standort vorherrschenden Nmin-Gehalten im Boden signifikant positiv auf eine zusätzliche Stickstoffdüngung reagiert. Der Nmin-Gehalt am Standort mit 39 kg N/ha erwies sich als suboptimal für das Wachstum von Oxalis. Das Optimum einer zusätzlichen N-Gabe, um am Standort eine ertragssteigende Wirkung zu erzielen, liegt zwischen 50 und 100 kg N /ha.
Eine eindeutige Aussage über eine wachstumslimitierende Wirkung von Stickstoff läßt sich aufgrund der ermittelten Kennwerte aber nicht treffen. Folgende Hypothese wurde aufgestellt: Die gesteigerten Wachstumskennwerte im Stickstoffdüngungsversuch sind ursächlich auf die durch erhöhte Nitratgehalte im Boden verbesserte Ca-Ernährung zurückzuführen.
Die Kombination aus hoher Beleuchtungsstärke und ungewöhnlich trocken und heißen Tage Anfang Mai führten zu einer drastischen Mortalität der Oxalis-Blätter. Oxalis acetosella L. zeigte eine signifikante Unverträglichkeit für heißtrockene Witterung und Beleuchtungsstärken über 10000 lx.
Zur gaschromatographischen Analyse von Oxalis acetosella L. wurde das ätherischen Öl, hergestellt aus der Trockenmasse, der drei Versuchsvarianten verwendet. Erst mit einer Einwaage von 20,5g TM zur Herstellung des ätherischen Öles konnte eine repräsentative Anzahl an Verbindungen detektiert sowie identifiziert werden. Es wurden ~ 135 verschiedene Verbindungen detektiert, und davon 31 über die Spektralbibliothek NIST identifiziert. Ein Vergleich der drei Versuchsvarianten konnte nicht erfolgen.
Bei den dünnschichtchromatographischen Untersuchungen der alkoholischen Auszüge von Oxalis acetosella L. erwies sich die Kombination aus DC-Fertigplatte: Kieselgel 60, Laufmittel: Ethylacetat/ 100 %ige Ameisensäure/ Wasser (80/10/10), Tauchreagenz: Anisaldehyd in methanolischer Schwefelsäure sowie die Betrachtung unter 365nm UV-Licht als die am besten geeignetste Methode. Eine Zuordnung zwischen Pflanzen- und Vergleichssubstanzen konnte aber noch nicht vollzogen werden.
Die Variante N3 (50 kg N/ha in Form von Kompost gedüngt) mit den besten Wachstumsparametern im N-Düngungsversuch wies den höchsten Gehalt an löslicher Oxalsäure auf. Der ermittelte Wert betrug 0,18 %. Der Gehalt für die Kontrollvariante des Versuches betrug 0,13 % und für die Pflanzen des Waldstandortes 0,16 % löslicher Oxalsäure in der Frischmasse. Ein Zusammenhang zwischen dem Gehalt löslicher Oxalsäure und der Stickstoffernährung von Oxalis kann nicht postuliert werden.
Folgende Hypothese wurde aufgestellt: Der Anteil an löslicher Oxalsäure in den oberirdischen Pflanzenteilen von Oxalis acetosella L. geht nach der Blütezeit zurück.
Der als Kulturstandort geplante Schattentunnel bietet bezüglich seiner Lichtbedingungen günstigste Vorraussetzungen für eine Kultivierung von Oxalis acetosella L.
Eine Aussaat kann beim derzeitigen Erkenntnissstand über das Keimverhalten nicht empfohlen werden. Ein Umpflanzung aus einem Waldstandort stellt die derzeit einzigste Alternative dar.