Versuche zur Inkulturnahme von Oxalis acetosella L.

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5.1 Stickstoff

Die Nährstoffversorgung ist eine wesentliche Einflussgröße für das Wachstum einer Pflanze. Stickstoff gilt hierbei allgemein als wichtigster fördernder Faktor. Die Versuchsergebnisse haben gezeigt, das auch Oxalis acetosella L. bei den am Standort vorherrschenden Nmin-Gehalten im Boden signifikant positiv auf eine zusätzliche Stickstoffdüngung reagiert. Zwischen den verschiedenen Düngestufen sowie Düngeformen konnte auf das Pflanzenwachstum bezogen aber keine signifikanten, nur tendenzielle Unterschiede konstatiert werden. Eine Aussage über die optimal zu düngende Stickstoffmenge oder Düngeform, kann nur annähernd gemacht werden.

Oxalis acetosella L. ist eine stickstoffliebende Waldpflanze (ELLENBERG et al. 1992, PACKHAM 1978). Der N-Gehalt in den Blättern ist relativ hoch. Die Angaben in der Literatur schwanken zwischen 2,5 % N (HÖHNE 1962) und 3,4 % N (RODENKIRCHEN 1992) in der Trockensubstanz.
Pflanzen nehmen Stickstoff hauptsächlich in Form von Ammonium und Nitrat aus dem Boden auf. In sauren Waldböden, dem natürlichen Standort von Oxalis, ist der NO3- -Gehalt sehr gering, so das hier NH4+ -Ionen die Hauptrolle für die N-Ernährung zukommen dürfte (HÖHNE 1962). In Ackerböden wiederum liegt ein hohes NO3- / NH4+ -Verhältnis vor. Der pflanzenverfügbare NH4+ -Gehalt ist hier nahezu vernachlässigbar. Diese beiden Tatsachen könnten die nachfolgend formulierte Hypothese bekräftigen.

RODENKIRCHEN (1992) zeigt bei Ca-Steigerungsversuchen (in Nährlösungen) von Oxalis acetosella L. auf, das ein enger Zusammenhang zwischen einem gesunden Pflanzenwachstum und der aufgenommenen Calciummenge beim Waldsauerklee besteht. Wachstums- und Vitalitätsparameter verbesserten sich in seinen Versuchen signifikant.
Die Aufnahme von Ca wird aus Gründen des Ladungsausgleichs durch eine verstärkte Nitrataufnahme gefördert (vgl. KIRKBY 1981, KIRKBY et al. 1984, zit. nach RODENKIRCHEN 1995). Ammonium dagegen hat durch einen Kationenantagonismus eine hemmende Wirkung auf die Ca-Aufnahme einer Pflanze (BERGMANN 1988).

Es läßt sich folgende Hypothese aufstellen:
Die gesteigerten Wachstumskennwerte im Stickstoffdüngungsversuch sind ursächlich auf die durch erhöhte Nitratgehalte im Boden verbesserte Ca-Ernährung zurückzuführen.

Zur Überprüfung dieser Hypothese fehlen leider aussagekräftige Bodenanalysen (Ca-Gehalt) sowie Mineralstoffgehaltanalysen der Pflanze.

Grenzwerte für eine ausreichende oder mangelhafte Stickstoffernährung werden in der Literatur keine angeführt. Der Nmin-Gehalt im Boden zu Versuchsbeginn betrug am Standort 39 kg N /ha. Die erzielte Wachstumsteigerung bei N-Düngung von 50 kg N /ha und der fehlende Zuwachs bei einer Steigerung auf 100 kg N /ha lassen auf einen für Oxalis acetosella L. suboptimalen Nmin-Gehalt am Standort schließen.
Eine Düngung von 50 kg N /ha in Form von Kompost zeigte die höchsten Wachstums-kennwerte und kann hier für eine Kultivierung empfohlen werden.

Eine eindeutige Aussage über eine wachstumslimitierende Wirkung von Stickstoff läßt sich aufgrund der ermittelten Kennwerte aber nicht treffen. Die wenigen in der Literatur aufgeführten Untersuchungen zu Oxalis acetosella L. behandelten nur das Wachstum am natürlichen Standort. Verschiedene komplexe Wirkmechanismen, die im engen Zusammenhang mit dem Mineralstoffhaushalt eines sauren Waldbodens stehen, sind aber nicht ohne weiteres auf einen Ackerbodenstandort übertragbar.

Die im Sickstoffdüngungsversuch festgestellten Nmin-Gehalte waren bezogen auf die verwendete Düngemenge relativ hoch. Die gemessen Werte von bis zu 285 kg Nmin/ ha könnten in folgenden Ursachen begründet sein. Oxalis wurzelt nur bis zu einer Bodentiefe von max. 12 cm (PACKHAM 1978) bzw. max. 10 cm (RODENKIRCHEN 2000). Diese Werte decken sich auch mit eigenen Beobachtungen. Die Nmin-Bodenproben wurden aus diesen Grund auch nur in einer Bodentiefe von ca. 0 - 15 cm entnommen, entgegen der üblichen 0 - 30 cm. In dieser Tiefe ist leicht nach einer Düngung und Durchmischung mit dem Substrat ein direkter Kontakt mit dem Dünger möglich, der so natürlich die auf den Hektar hochgerechneten Werte verfälschen kann. Auch beim Herausziehen des Bohrstockes könnten noch Düngemittel in die entnommene Bodenprobe gelangt sein.



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Text © Mario Schubert · Leipzig 2004 · letzte Aktualisierung 21.03.2005 · Impressum · Sitemap