Versuche zur Inkulturnahme von Oxalis acetosella L.

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Turgorine

Tur|go|rin das; -s, -e: ist allgemein eine Sammelbezeichnung für Stoffe, die in Pflanzen durch Turgoränderungen Nastien auslösen.

Die Bezeichnung Turgorine wurde von Prof. Herrmann Schildknecht geprägt. Er war als Professor für Organische Chemie an der Universität Heidelberg, Arbeitsgebiete: Chem. Ökologie von Pflanzen u. Tieren tätig.

Turgorine (LMF = Leaf Movement Factors), sind ihm zufolge Verbindungen die bei Pflanzen als Antwort auf einen äußeren Reiz Bewegungen, insbesodere das Zusammenklappen der Blätter, hervorrufen. Reize sind z. B. Wärme (sog. Thermonastie), Berührung (Thigmonastie), Stoß (Seismonastie), Verwundung (Traumatonastie), Chemikalien (Chemonastie) oder Tag- u. Nacht-Rhythmus (Nyktinastie). Im Falle der Tag- und Nachrythmen werden diesbezüglich Turgorine auch als PLMF (Periodic Leaf Movement Factors) bezeichnet.

Turgorine sind phenol. Glykoside von Hydroxybenzoesäuren (vgl. Gallussäure u. Dihydroxybenzoesäuren), Phenylbrenztraubensäure (Enolform) u. Chelidonsäure, Aminosäuren wie Mimosin u. Pipecolinsäure (s. Piperidincarbonsäuren) sowie cycl. Nucleosid-Phosphate.

Am besten untersucht sind Turgorine und Ihre Wirkung in Zusammenhang mit der Mimose (Mimosa pudica), wobei LMF auch in anderen Pflanzen, meist aus der Familie der Fabaceae und Papilionaceae (Schmetterlingsblütler), beschrieben wurden. Die Turgorine (LMF) wirken auf die H+-, Ca2+, K+-Ionenströme u. verursachen dadurch Änderungen des Membranpotentials bei den Zellen der Pulvini (Gelenkpolster). Die damit verbundene Turgor-Änderung ist letztlich Ursache des blitzartigen Zusammenklappens der Blätter.

Aus Fabaceae, Oxalidaceae, Malavaceae, Portulacaceae, Vitaceae und Smilaceae hat man am Organisch-Chemischen Institut der Universität Heidelberg 7 Turgorine gewonnen. Diese "Periodic Leaf Movement Factors" (PLMF) sind die endogen wirksamen Stoffe des Abwehrverhaltens schlafender und sensitiver Pflanzen.(SCHILDKNECHT)
u.a. hat man aus Mimosa pudica den PLMF 1, die 4-0-(ß-D-glucopyranosyl-6'-sulfat-)gallussäure isoliert.(Plant Journal 1997)

turgorinsaeure

Quelle: http://www.uni-heidelberg.de/institute/fak12/DC/emeriti/schild/



Quellen:

SITTE, P., ZIEGLER, H., EHRENDORFER, F., BRESINSKY, A. 1991: Lehrbuch der Botanik für Hochschulen. / begr. von STRASBURGER, E. 33., neubarb. Aufl. G. Fischer Verlag Stuttgart, Jena, New York. 1030 S.

SCHILDKNECHT H.: http://www.uni-heidelberg.de/institute/fak12/DC/emeriti/schild/

Das Wörterbuch chemischer Fachausdrücke, Mannheim 2003

The Plant Journal 1997: The enzyme involved in sulfation of the turgorin, gallic acid 4-O-( -D-glucopyranosyl-6'-sulfate) is pulvini-localized in Mimosa pudica, 12(4), S. 831-837 (3,5 MB)

RÖMPP: Lexikon Chemie – Version 2.0, Stuttgart/New York: Georg Thieme Verlag 1999




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Text © Mario Schubert · Leipzig 2004 · letzte Aktualisierung 21.03.2005 · Impressum · Sitemap